Unter Canophobie oder Kynophobie versteht man die Angst vor Hunden. Der Begriff setzt sich aus kyno und phobie zusammen, wobei beide Begriffe griechischen Ursprungs sind (kyon = Hund und phobos = Furcht).

Phobien sind intensive Furchtreaktionen, die durch spezifische Objekte oder Situationen ausgelöst und vom starken Wunsch begleitet werden, diese in Zukunft zu meiden. Patientinnen und Patienten wissen, dass ihre Reaktion oft irrational ist, trotzdem können sie diese nicht kontrollieren.

Die Kynophobie ist eine spezifische Phobie. „Bei einer Spezifischen Phobie handelt es sich um Angst vor klar erkennbaren und eng umschrieben Objekten oder Situationen.“ Spezifische Phobien gehören zu den häufigsten psychischen Störungen, denn jeder fünfte bis zehnte Mensch leidet darunter.

Wenn Betroffene der angstauslösenden Situation ausgesetzt sind, erfolgt eine stark emotionale Reaktion. Diese setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen, welche verschiedene Symptome umfassen.
1. Der subjektive persönliche Anteil:
Dieser Anteil einer phobischen Reaktion wird bei Patientinnen oder Patienten durch persönliche Gefühle wie Angst wahrgenommen und kann individuell zum Ausdruck kommen. Manche Betroffene denken zum Beispiel, dass sie ersticken oder gleich sterben werden. Diese Gedanken werden oft von einem Gefühl der Hilflosigkeit begleitet.
2. Die autonome physiologische Reaktion:
Bei der autonomen Reaktion zeigen sich bei den Betroffenen physiologische Veränderungen. Beispiele dafür sind starkes Zittern, Schwitzen, ein Gefühl von Schwäche sowie weitere körperliche Symptome wie Herzrasen und Atemprobleme.
3. Die motorische Reaktion:
Diese Reaktion zeigt sich durch die zwei Verhaltensmerkmale Vermeidung oder Flucht. Meistens entscheidet sich die Patientin oder der Patient für die Fluchtreaktion. Allerdings kann es auch vorkommen, dass sie sich wie erstarrt fühlen und anstatt zu flüchten in der Situation gefangen bleiben.

In den meisten Fällen haben Menschen traumatische Erfahrungen mit Hunden gemacht (eigene aversive Lernerfahrung). Meist wurden sie als Kind oder junger Erwachsener von einem Hund angesprungen, geschnappt oder gebissen und dieses Erlebnis löste starke Emotionen aus. Dabei wurde das Erlebnis weder bearbeitet noch aufgelöst, sondern man ist den Hunden von diesem Moment an ausgewichen und hat versucht, so gut es geht damit zu leben.

Eine andere Möglichkeit zur Entstehung einer Canophobie ist das Übertragen der Angst (Modellernen). Dabei wurde von einer wichtigen Bezugsperson erlernt, dass Hunde gefährlich sind, indem diese Person vor dem Kind seine Angst vor Hunden zeigte.

Kynophobie kann auch durch die Übermittlung von negativen Informationen und Nachrichten über Hunde entstehen (semantisches Lernen). Wenn Betroffene aus den Medien oder von Bezugspersonen erfahren, dass Hunde gefährlich sind, kann es sein, dass sie beginnen, sich vor ihnen zu fürchten, obwohl sie persönlich noch nie eine negative Erfahrung mit ihnen erlebt haben. Die kann auch kulturelle Ursprünge haben.

Es gibt aber auch Fälle, bei der die Betroffenen sich nich an einen bestimmten Auslöser erinnern können.

Oft fühlen sich Menschen in einer fremden Umgebung derart unsicher, dass sich ihr Lebensraum komplett verengt. Ob in der Stadt oder auf dem Land, es leben mittlerweile sehr viele Hunde mit uns Menschen zusammen und damit klar zu kommen ist für viele Menschen zum Spiessrutenlauf geworden. So entscheiden sie sich, etwas gegen die Angst zu unternehmen.

Wenn bei Betroffenen erreicht wird, dass in Gegenwart eines furchtauslösenden Reizes eine positive Erfahrung erlebt wird, kann ihre Angst dadurch nachhaltig gehemmt werden.

Grundsätzlich arbeiten wir mit jedem Menschen individuell. Die Arbeit enthält Bausteine aus dem normalen Hundetraining, der lösungsorientierten Kurzzeitberatung, dem NLP, der Erwachsenenbildung und aus dem Expositions-Training.

Therapeutinnen und Therapeuten sind sich weitgehend einig, dass das Expositions-Training bei Betroffenen mit einer Kynophobie die wirkungsvollste Behandlungsform darstellt. Als Expositions-Training versteht man den Prozess, Betroffene wiederholt den für sie persönlich relevanten diskriminativen Hinweisreizen, in diesem Fall mit Hunden, in Kontakt zu bringen bzw. zu exponieren. Entscheidend für den Erfolg ist dabei die systematische Desensibilisierung.

Wichtig ist uns als Trainer zudem, dass der Betroffene viel über das Verhalten, Körpersprache, Signale und Bedürfnisse des Hundes lernt. Ebenso wird das eigene menschliche Verhalten wie z.B. Körperspannung, Aufregung, Atmung, Gedanken reflektiert und geübt, so dass auch die non-verbalen Mitteilungen an den Hund richtig eingeordnet und bewusst eingesetzt oder vermieden werden können.

 

Was sind Ziele und wie läuft ein Training ab?